NIKON 50mm f/1.2

NIKON 50MM f/1.2 Ai-S - STECKBRIEF


Ich liebe das Objektiv, denn es lockert den oft etwas zu perfekten und fast schon klinischen Look von Digitalkameras auf und das Bokeh ist einfach großartig. Das Nikkor hat mir dabei geholfen, mich auf eine besondere Art mit der Fotografie zu befassen. Es lassen sich wunderbare Effekte erzielen, die mit normalen Objektiven nicht möglich sind und es hilft dabei, sich aus eingefahrenen Routinen zu lösen.

2003 Flandern - Nikon F2A Nikkor Ai-S 50mm f/1.2, Kodak Elite Chrome 100 Diafilm

Im Land der aufgehenden Sonne geschmiedet 


Früher schon sehnte ich mich nach manuellen Ai-S-Nikkore, war ich doch von ihnen wirklich begeistert. Meine erste Festbrennweite war das manuelle Nikkor 50mm f/1.2 Ai-S und es verrichtete seinen Dienst an einer silbernen Nikon F2A. Dies sollte mein erster Kontakt mit den manuellen Ai-S Nikkoren von Nikon sein.


Jahre später


Die Kritiken, die ich in jüngster Zeit gerade über das f/1.2 Objektiv gelesen habe, waren interessant und überzeugend. Ich habe mich daher entschlossen, ein nagelneues zu bestellen, da dieses Nikkor noch heute in Japan hergestellt wird und auch bei Nikon direkt erhältlich ist. Als ich das Objektiv erhielt, war ich wie seinerzeit erstaunt über die hohe Qualität, die Schönheit und die besondere Handwerkskunst.


Wenn man im Katalog von Nikon stöbert, stellt man fest, dass es nicht das einzige spannende Objektiv mit manueller Fokussierung im Sortiment ist. Überraschenderweise werden diese Objektive noch heute im Land der aufgehenden Sonne hergestellt. Sie können alle mit einer regulären Nikon-Garantie gekauft werden. Darunter also auch das ultraschnelle 50mm f/1.2 Ai-S, was lange Zeit das schnellste Objektiv war, das Nikon herstellte und es gab noch nie eine Autofokus-Version davon. Im Herbst 2019 wurde jedoch ein noch schnelleres 50mm f/0.95 mit Z-Anschluss vorgestellt, dessen Gewicht und Preis es aber zur Rarität in der freien Wildbahn machen werden.


Da sich das 50mm f/1.2 um ein bereits 1981 veröffentlichtes Objektiv mit manueller Fokussierung handelt, findet es heutzutage wenig Beachtung, zumal moderne Digitalkameras eine hohe ISO-Leistung haben und die meisten von uns auch nicht mehr mit Film arbeiten. Diese 50mm-Festbrennweite hat somit in den letzten Jahren ein Schattendasein geführt und leider haben nur wenige Leute Kenntnis davon. Es könnte sich daher lohnen, in diesem Beitrag zu entdecken, was dieses ungewöhnliche Objektiv zu beleuchten hat.

2003 Flandern - Nikon F2A Nikkor Ai-S 50mm f/1.2, Kodak Elite Chrome 100 Diafilm

Cremiges Bokeh


Das 50mm f/1.2 Ai-S verwendet ein traditionelles sphärisches Linsen-Design, was den relativ günstigen Preis erklären kann. Aufgrund der beeindruckenden Lichtstärke von 1.2 und der hervorragenden Leistung wird dieser Lichtriese seit nunmehr fast 40 Jahren hergestellt. Das Objektiv verfügt über neun Blendenlamellen, die ein angenehmes und cremiges Bokeh, perfekte Sterne und runde, unscharfe Spitzlichter ermöglichen. Dies ist neben der geringer Schärfentiefe ein weiteres wichtiges Merkmal eines Objektivs mit großer Lichtstärke.


Meisterwerke in punkto Qualität und Ästhetik


Die Nikkor Ai-S-Serie zählt zu den Meisterwerken japanischer Handwerkskunst aus Metall und Glas. Es ist eine Freude solche Nikkore einzusetzen und zu handhaben. Aber dieses Objektiv hat noch etwas besonderes zu bieten, was es attraktiv macht. Es ist die Kombination von kompakter Größe und angemessenen Gewicht, wodurch es sich sehr gut auf der Nikon Df balancieren lässt.


Vielleicht ist es das ziemlich große vordere Linsenelement, das ihm seinen mutigen Look und seinen Charme verleiht. Vielleicht sind es die gemischten Gefühle von Ehrfurcht und Begierde, die man angesichts der Herausforderung empfindet, diese besondere Linse zu meistern. Jedenfalls können wir dieser Schönheit gegenüber nicht gleichgültig bleiben.


Fotografen mögen davor zurückschrecken, sich mit Objektiven mit manueller Fokussierung zu befassen und halten sich lieber fern von ihnen. Warum sollte man zu einem manuellen Objektiv zurückkehren, wo doch der Autofokus so praktisch ist. Es ist durchaus verständlich, aber sie verpassen mE eine interessante Erfahrung.


Dieses Objektiv hat Einfluss genommen auf meine fotografische Arbeitsweise. Die Verwendung eines Objektivs mit fester Brennweite zwingt dazu, das Motiv dynamischer als zuvor zu gestalten. Hinzu kommt, das manuelle Fokussieren entschleunigt die Fotografie und lässt einen mehr nachdenken, bevor man den Auslöser drückt. Das gibt mehr Kontrolle und trägt wesentlich dazu bei, seine fotografische Fähigkeiten zu verbessern. Darüber hinaus ist der manuelle Fokus einfacher als viele denken, insbesondere für die Landschafts-, Porträt- oder Architekturfotografie. Wer Sport, Action oder bewegte Motive bevorzugt, sollte bei Autofokus-Objektiven bleiben.


Moderne Nikon-DSLRs verfügen über einen elektronischen Entfernungsmesser mit einer Fokusbestätigung durch einen Punkt und Pfeilen > ● < im Sucher, mit denen der Fokus besser erfasst werden kann. An dieser Stelle ist die Verwendung der > Nikon DK-17M-Sucherlupe zu empfehlen, da mit ihr die Anzeigegenauigkeit des Suchers um etwa 20% erhöht wird. Die Ergebnisse sind großartig, es lohnt sich wirklich!

2003 Flandern - Nikon F2A Nikkor Ai-S 50mm f/1.2, Kodak Elite Chrome 100 Diafilm

Dieses optische Design aus dem Jahr 1981 an einer Nikon Df


Ein interessanter Aspekt: Wie schlägt sich diese Festbrennweite mit einem optischen Design aus dem Jahr 1981 und ohne asphärisches Element oder ED-Glas an einer > Nikon Df?


Die Ergebnisse sind erstaunlich. Dieses alte 50mm f/1.2-Objektiv zeigt eine hervorragende Leistung mit sehr guter Schärfe, einem wirklich guten Kontrast und einer hervorragenden Farbwiedergabe.


Für mich spielt die schwache Leistung in den Ecken bei f/1.2 keine Rolle. Bei dieser Blende ist im Grunde ja alles unscharf bis auf das, was scharf sein soll. Und selbst wenn die Bildmitte etwas weich und kontrastärmer ist, so verleiht gerade dies dem Objektiv seinen besonderen Reiz und macht die mit dieser Festbrennweite aufgenommenen Bilder so anziehend. Aber je nach Motiv, Licht und Entfernung kann auf eine ganz bestimmte Art und Weise ein Effekt auftreten, der ein träumerisches Aussehen vermittelt.


Ich persönlich mag die einzigartig aussehenden Bilder, die mit f/1.2 möglich sind. Den genannten Effekt kann man anstreben, kann aber auch unerwünscht sein. Im letzten Fall wird durch abblenden dieser Effekt gemildert.


Obwohl die Vignettierung bei offener Blende hoch sein kann, lässt sich dieses Verhalten als ein Kennzeichen dieses Objektivs werten. Man kann es absichtlich verwenden, um den Fotos eine dramatischere Anmutung zu verleihen oder um das Hauptthema hervorzuheben. Oder es kann zB leicht mit Capture NX-D oder einer anderen Software korrigiert werden.l

2003 Flandern - Nikon F2A Nikkor Ai-S 50mm f/1.2, Kodak Elite Chrome 100 Diafilm

Zusammenfassung


Das 50mm Nikkor f/1.2 Ai-S ist ein einzigartiges Objektiv. Es war bis vor kurzem das schnellste Objektiv, das Nikon heute noch herstellt. Aber wie lange noch? Aufgrund seiner besonderen Eigenschaften stellt es einen gewissen Anspruch was die Handhabung betrifft und ist deshalb nicht jedermanns Sache. Man muss schon genau wissen, warum man mit dieser manuellen Festbrennweite fotografieren will. Man muss bereit sein, Zeit zu investieren, um dieses Objektiv zu zähmen und zu beherrschen. Dann kann es wirklich lohnend sein. Dieses 50mm ist ein wunderbares Werkzeug für künstlerische Arbeit und kann Kreativität für unsere Leidenschaft zur Fotografie freisetzen.


WORKFLOW